WingTsun - das Richtige für mich
Was man bei der Wahl der richtigen Kampfkunst beachten sollte
Oft stellt der Neuling uns die Frage, welches Kampf-System das Beste sei. Die Antwort darauf kann nicht grundsätzlich gegeben werden, denn die Frage ist nicht vollständig. So müssen wir die Gegenfrage stellen: „Welche Anforderungen stellen Sie an ein Kampf-System? Auf welchen Aspekt legen Sie besonderen Wert?“ Denn jede Kampfkunst hat ihre Vor- und Nachteile, ihre Stärken und Schwächen. Die meisten Systeme und Stile haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert. Jede Kampfkunst ist deshalb auf ihrem Spezialgebiet die Beste, vernachlässigt aber notwendigerweise Aspekte, die andere Künste besonders in den Vordergrund stellen.
Es gibt mehr als 500 Kampfsysteme und -stile und alle beanspruchen für sich den Titel „Das beste System“ und haben meist Recht. Wenn Sie Ihr Idealsystem finden wollen, sollten Sie sich zuerst überlegen worauf Sie am meisten Wert legen. Es gibt immer wieder Kampfkunstanbieter, die damit werben, dass in ihrem Kampfsystem alle unten genannten Teilbereiche in gleichem Maße vereint sind. Wir wollen nicht ausschließen, dass es auch Misch-Systeme seriöser Art gibt. Diese sind jedoch auf jedem Teilgebiet einem spezialisierten System unterlegen.
Wir unterscheiden in Körperaufbau-, Opern-, Kampf- und Gesundheitssysteme
Die Körperaufbausysteme
Es sind Systeme, die Kraft und Gelenkigkeit verlangen und deshalb Gymnastik und Konditionierung betonen. Man benutzt den Begriff Körperaufbausysteme, weil diese den Körper stärken, formen und aufbauen. Zu dieser Gruppe gehören die meisten harten Shaolin Stile und deren Nachfahren, wie Karate oder Taekwon-Do.
Die Opernsysteme
Es sind Systeme, die sich durch schöne elegante Bewegungen, künstlerische und artistische Tritte und hohe Sprünge auszeichnen. In dieser Gruppe findet man vor allem die so genannten Tiersysteme. KungFu Filme leben von diesen meist sehr spektakulären Bewegungen. Im Kampf sind sie allerdings kaum realistisch anwendbar. Als Faustregel gilt: Hat ein System schöne tänzerische Bewegungen, ist es möglicherweise für die Praxis, den Kampf ohne Regeln, nicht sehr geeignet.
Die reinen Kampfsysteme
Es sind Systeme, die geprägt sind durch kleine, knappe, sparsame Bewegungen. Auf artistische Einlagen wird bewusst verzichtet. Tiefe Stellungen, starre Kampfstände und hohe Tritte gibt es hier kaum. Die Kampfsysteme wirken fürs Auge nicht attraktiv und eignen sich daher weniger für Demonstrationen und Showeinlagen. In Filmen werden sie fast nie gezeigt, denn das Auge des Laien ist nicht schnell genug, um diese ausgeklügelten, ökonomisch-kurzen Bewegungen erkennen zu können. Es gibt wenige dieser reinen Kampfsysteme, wie zum Beispiel das WingTsun.
Die Gesundheitssysteme
Es sind Systeme, die besonders die Gesundheit, das lange Leben, die Meditation usw. fördern und in den Vordergrund stellen. Hierunter fällt zum Beispiel das TaiChi als so genanntes inneres System, aber auch mache Shaolin Systeme. Oft hört man auch die Bezeichnung ChiKung. Dies weist auf die Atmung hin, die bei diesen Gesundheitssystemen eine wichtige Rolle spielt.
Abschließend kann man festhalten, dass man mit jedem dieser vier Systeme sicherlich auch kämpfen kann. Reine Kampfsysteme sind aber speziell für den Kampf ausgelegt und bieten dem Kämpfer die versierteren Möglichkeiten. In einem Kampf stehen sich nicht System A und B gegenüber, sondern zwei eigenständige Personen mit ihren individuellen Stärken, Schwächen und Ängsten. Es nützt dem einen genauso wenig, dass sein Sensei 25 Dachziegel zerschlagen kann, wie dem anderen, das sein Si-Fu seine Kämpfe mit verbundenen Augen gewinnt.
Was bei der Wahl der richtigen Kampfkunst-Schule beachtet werden sollte
Sie sollten Sich zuallererst über die Anforderungen, die Sie persönlich an Ihr System stellen, klar werden und sich mit dem Budo- bzw. WuShu-Angebot in Ihrer Gegend vertraut machen. Wählen Sie besonnen! Selbst wenn es sich bei dem Sifu/Sensei (Lehrer) um einen Asiaten handelt, bedeutet das nicht grundsätzlich, dass er auch fachlich zum Lehrer qualifiziert ist. Als Systemfremder kann man kaum beurteilen, ob es sich um einen Schüler, Fortgeschrittenen oder Meister handelt.
Geben Sie sich mit der Aussage, es wird KungFu unterrichtet, nicht zufrieden, denn dies ist zum Oberbegriff für chinesische Kampfkünste geworden. Fragen Sie den Meister nach dem Namen seines Systems. Schon an einem Phantasie Namen, wie KungFu-Karate, kann man eine unseriöse Kampfkunst erkennen. Der Meister sollte ihnen auch auf jeden Fall Informationen über den Ursprung des Systems, die Geschichte und seiner Lehrer geben können. Ein seriöser Kung-Fu-„Meister“ ist selten sehr jung und unterrichtet in der Regel nur eine Kampfkunst. Es ist kaum möglich genügend Zeit und Aufmerksamkeit aufbringen zu können, um den Meistergrad in mehreren Kampfkünsten gleichzeitig zu erlangen.
Wenn Sie aber aufgrund der Praxisnähe dem WingTsun den Vorzug geben, treffen sie sicherlich eine gute Wahl. Um die für Sie am besten geeignete Wing Tsun Schule zu finden, sollten sie auf jeden Fall erst einmal das Probetrainingsangebot der jeweiligen Schule nutzen. Machen sie sich ein Bild. Ist es ruhig, hektisch oder laut? Wird dem Lehrer der entsprechende Respekt entgegengebracht? Unterrichtet der Lehrer selbst, ist er in der Regel anwesend oder lässt er sich meistens von einem fortgeschrittenen Schüler vertreten? Werden die Übungen der Schüler regelmäßig kontrolliert und korrigiert? Sind mehr Schüler an der Theke vor dem Übungsraum als auf der Kampffläche? Lassen Sie sich bitte nicht durch luxuriöse Räumlichkeiten und architektonische Raffinessen einnehmen. Was allein zählt, ist die Qualität des Unterrichts.
Quelle Keith Kernspecht
